| desert life song „Sich wie eine Wüste fühlen“ ist so ein Ausdruck der an Liebeskummer - oder „burn- out“ - Leidenden, der mich stets erschrocken hat. Er klingt nach Austrocknung, öder Leere und Langeweile. Etwas, das man nie erleben will. Manche schicken auch jemanden in die Wüste. Als ich schließlich die Wüste kennenlernte, zum ersten Mal, in Indien, da wurde mir schnell klar, dass derjenige, der dies sagte, wohl nie in der Wüste war, oder gerade verdurstete, als er sich dieser Worte entledigte. Jedenfalls liegt auch hier die Wahrheit mal wieder genau im Gegenteil. Seit dieser ersten Begegnung vernehme die Anziehungs- und Transformationskraft der Wüste – die mir in etwa so tönt: „Raum, wo Herzen wachsen im trockenen Sand und allerlei andere feine Kräut’lein, unerschrocken, angesichts der Kargheit sind sie einfach, wer sie sind und dies hat mehr Bedeutung als alles, was ich weiß und tue. Wenn du nur hier bist, sprießt das Leben.“ Eine Nacht in der Wüste kann den nächsten Tag in ein kosmischen Jahr verwandeln. Raum und Zeit sind aufgehoben. Du bist nicht mehr, der du gerade noch warst. Wirst Träger einer Gleichzeitigkeit, in diesem Fall einer, die sich aus tiefer und dröhnender Stille speist, dem Leben mit seinen vielen Lichtern und Gestalten gelassen, als auch fasziniert, entgegenschaut, so wie es möglicherweise eine Pythia, eine Wahrsagepriesterin, tat. Da brennt aber auch etwas in dir. Es äußert sich manchmal in Stimmen. Sätze aus der Vergangenheit enthüllen Ihre Bedeutung und du weißt, nein spürst schon regelrecht körperlich, wie wahr sie sind und waren und du nicht empfangsbereit, seinerzeit. Es geht um dich, das was dich ausmacht und du fragst nicht was das sei, jedenfalls jetzt nicht mehr, denn du bist dir dessen gewiss, du hast es bereits errungen, hast den Kampf bestanden, als deine hässliche Fratze dich frontal ansprang dort drüben am Hang, da wurdest du zur Tigerin und die Kraft floss zu dir zurück. Sie fauchte und das reinigte sie vom Gift des Eigendünkels und der Ignoranz, einer Art uralten Masche, irgendwo in der DNA verschlüsselt, vielleicht, und wenn nicht da, dann womöglich einst entstanden, als die Menschen aus der Wüste gingen und ihren Sternenhimmel aufgaben. Von nun an lebten sie wie unter einer Glocke und damit das auch funktionierte - es ist schließlich eng da unter der Glocke - da musste man schon gewisse Regeln pflegen. Die wurden zur Masche und diese ist außerdem verzerrt, von unverdautem Ärger, nicht verwundener Veränderung, vernachlässigter Freiheit, und durch fehlenden frischen Wind. Ein Schatz voller Bilder wird einem hier enthüllt, und jede Äußerung, von wem auch immer, ist ein Geschenk, das wieder neue Gedanken und neue Bilder in Gang setzt. Man ist hier auch wie ausgesetzt, mitten in die Wildnis hineingeworfen, ungeschützt auch, verstecken geht nicht mehr, nur schauen, starren, wundern – in die Weite hinein, die klingt und singt und wie von Gottes Hand erschaffen scheint. Aber es gibt auch das Lager, die Zelte, die Schutz bieten, einen starken Rücken könnte man sagen, vor dem sich die Wahrheit aussprechen lässt. Mutter Erde umarmt dich dabei und Vater Himmel lächelt freundlich und nicht nur von oben herab. Irgendwann dann, zurück am Ort der Geburt, im Heimatlande sozusagen, dass ebenso voll ist von Zweifeln und Misstrauen wie dieser Moment, als der Schatten dich ansprang, da kannst du plötzlich deine Vision nicht mehr greifen, geblieben ist ein gähnendes Loch. Gut, bereits einmal hindurch gegangen zu sein und zu wissen, wie sich Erkenntnis über Erfahrung erringt und wieder errungen werden will. Gewohnte sichere Bahnen müssen verlassen werden. Die Zeit da draußen war nur eine Generalprobe, sich dem Nicht - Wissen, der Leere auszusetzen und die Erfahrung zu machen, dass die Leere nicht leer ist, sondern voll an Potential, das zur Entfaltung drängt und du weißt, das da Kraft in dir ist, schließlich bist du zur Tigerin geworden und Sterne haben mit dir und in dir getanzt. Und wenn nur dieses eine Bild als Metapher in dir verankert bliebe, würde es dich stets daran erinnern können, dass es jederzeit möglich ist, ins Unbekannte vorzudringen. | ![]() Agadir, Sonnenuntergang ![]() Weg von Tighmart (16 km von Guelmim im Süden Marokkos) zur Quelle der Oase ![]() Steinwüste bei El Borj ![]() verlassene Lehmhäuser Palmerie Tighmart (die Häuser haben wie die Riads auch einen offenen Innengarten und die Zimmer befinden sich verteilt irgendwo an den hohen Auße ![]() | ||
![]() Straße nach Guelmin | Villa aus Lehm (Hotel), Oase Tighmart ![]() | ||
![]() | 'belebter' Weg der Oase (und ital. Villa links)![]() | ||
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